Martin Friedrich Spengler wurde 1974 in Köln geboren. Seit 2004 entstehen seine großformatigen Reliefs aus Wellpappe mit detailgetreuen Massenszenen. Er lebt und arbeitet in München. Fotos seiner Werke finden Sie in der Rubrik GALERIE (s.o.).
Montag, 1. Januar 2007
Martin Friedrich Spengler
Nach seiner Ausbildung und Berufsjahren als Zahntechniker, begann er im Herbst 2003 mit dem Studium der Malerei an der Hochschule für Künste (HfK) in Bremen (Klasse Karin Kneffel). Ab März 2005 war er Studienstipendiat des Cusanuswerkes in Bonn. Von Herbst 2006 bis Sommer 2007 studierte er mit einem Erasmusstipendium Bildhauerei an der Akademie für bildende Künste in Wien (Klasse Manfred Pernice). Im Sommer 2008 wechselte er an die Akademie nach München, wo er von Dezember 2008 bis zu seinem Studienabschluß im Februar 2010 Meisterschüler der Klasse Kneffel war.
Individuum und Masse
Martin Spengler setzt sich in Reliefs und Skulpturen mit Ornamenten, Strukturen und Ordnungsschemata auseinander. Dabei greift er auf Fotografien mit Motiven aus der Gesellschaft, der Baukunst oder der Biologie zurück und setzt sie in Bezug zueinander: Fischschwärme und Menschenmassen, Kathedralen und Betonburgen oder Autobahnen und Strassenzüge. Innerhalb seiner Bilder weist er auf Details im Gesamten, das Individuelle in der Masse, das Ästhetische im Praktischen usw. hin und zeigt damit Gesetze, Fixpunkte und ästhetische Aspekte unserer komplexen Welt auf.
Relief
Innerhalb seines bisherigen Gesamtwerks nehmen die bemalten Reliefs den größten Raum ein, deren Dreidimensionalität von einer besonderen Qualität sind. Die Tiefe und Lebendigkeit, die er im Relief erreicht, ist verblüffend. Das Material Karton bietet ihm dazu eine Fülle von Möglichkeiten in Struktur und Farbigkeit. Während er seine Porträts farbig bemalt, behandelt er die größeren Reliefs nur mit einer weißen kalkhaltigen Farbe, wobei die Vorzeichnungen mit dicken Filzstiften an vielen Stellen deutlich stehen bleiben.
“Die Welle” (150 x 200 cm) greift den Kontrast von Individualität und Uniformität auf. Dargestellt ist der Ausschnitt eines Fußballstadions. Penibel genau hat der Künstler jede einzelne Figur ausgearbeitet. Aus dem auf den ersten Blick scheinbar chaotischen Durcheinander vieler Individuen formiert sich jedoch eine einheitliche Bewegung, gleichsam einer unbewussten Choreographie folgend, eine sogenannte “La-Ola-Welle”. Hunderte strecken reflexartig ihre Arme aus und machen scheinbar ferngesteuert mit. Assoziationen an faschistische und nationalistische Bewegungen werden geweckt. “So funktioniert das also”, mag dem Betrachter dabei unwillkürlich durch den Kopf gehen.
Die Welle wurde im März 2005 auf dem Akademierundgang und bei der Ausstellung des Cusanuswerks in Gelsenkirchen gezeigt. Daneben fertigte er eine weitere “La-Ola-Welle” in Querformat sowie eine zweite Ausführung des ersten Themas in doppelter Größe (200 x 300 cm) für eine Sonderausstellung in Wien an, die auch bei der Prag Triennale 2008 in der tschechischen Nationalgalerie gezeigt wurde. Bei dieser Ausführung kommt die angestrebte Wirkung zwischen Bewunderung für die penible Ausführung und Abschreckung vor der Doppeldeutigkeit des dargestellten Motivs besonders gut zur Geltung.
Die Reihe um den Kölner Dom, bzw. die “Kathedrale” (150 x 200 cm) zeigt das Wahrzeichen seiner Heimatstadt. Dabei geht es ihm weniger um die Darstellung des Kölner Doms als um die Darstellung einer idealen gotischen Kathedrale mit ihren komplexen Gesamtstrukturen und der Organisation der einzelnen Elemente. Der Kölner Dom gilt in der Kunstgeschichte als Idealbau. Rund Zweidrittel des Bauwerks wurden zwischen 1843-1880 konsequent nach mittelalterlichen Plänen durchgeführt und dadurch eine für die überlieferten gotischen Bauwerke ungewöhnliche Einheitlichkeit erreicht.
Für das erste Bild hat er einen charakteristischen Ausschnitt dieses mächtigen gotischen Bauwerks gewählt: den oberen Bereich des Südturmes in Untersicht, wodurch sich der Turm nach oben hin stark verjüngt. In der Folge wandte er sich anderen, weniger markanten Details des Bauwerks zu.
Das Detail “Kathedrale” aus dem Jahr 2008 zeigt einen Turmausschnitt mit starker Untersicht. Seither entstanden eine Reihe von Ausschnitten aus der “Kathedrale”, die einen neuen und interessanten Blick auf die Teile des Bauwerks ermöglichen. Zugleich bewirkt das fasrige Material der Wellpappe einen “flirrenden” Sinneseindruck, wie er sonst nur in der Malerei, beispielsweise den Lichtstudien des Impressionimus, eingesetzt wird.
Mit dem “Fischschwarm” (150 x 200 cm) wandte er sich 2006 wieder dem Phänomen der Massendarstellungen zu. Dargestellt ist ein Schwarm von Fischen, der sich in einer scheinbaren Endlosschleife vor dem Auge des Betrachters dreht. Man weiß nicht, woher die Fische kommen oder wohin sie schwimmen, noch kann man bestimmen, wer hier wem folgt. Es wird damit an das Phänomen der “Welle” angeknüpft. Eine Masse von Individuen folgt intuitiv einer scheinbar zufälligen Choreographie und schafft dadurch eine neue Form. Der “Fischschwarm” wurde gemeinsam mit dem “Kölner Dom” in einer Ausstellung in der Burg Kniphausen bei Wilhelmshaven gezeigt.
Die “Hochhäuser” (150 x 200 cm), seit 2006, gehören zu seinen neueren Werken. Sie sind zwar scheinbar weniger aufwendig gestaltet, zeigen dafür ästhetisch und plakativ die zeitgenössische Massenbauweise und die Ent-Individualisierung in unserer Gesellschaft. Man kann sie als Gegen- und Vergleichsstücke zu den Darstellungen der Kathedrale sehen, wobei es ihm neben dem Gegensatz vor allem um die Organisationsstrukturen geht.
In seiner Installation “Wohnsilo Hongkong” (2008) geht er über die Grenzen der Zweidimensionalität hinaus, in dem er das Relief erstmals von der Wand abrückt und in den Raum hinein stellt. Das Bild bekommt Objektcharakter. Die Beleuchtung von oben ruft ein Schattenspiel hervor, wie man es sich auch als Folge natürlicher Sonnenbestrahlung vorstellen kann.
Neben den Fassaden entstehen seit Ende 2006 Bilder aus der Vogelperspektive, darunter auch von großen Autobahnkreuzen (150 x 200 cm). An ihnen kristallisieren sich erstmals neue Aspekte heraus: neben die Faszination für Massendarstellungen tritt hier die Beziehung des Menschen zur naturgegebenen Ästhetik und dem Ornamentalen. Auch hier lassen sich Vergleiche mit den Kathedralen ziehen, denn das Ornamentale ergibt sich auch hier aus einer bautechnischen Notwendigkeit. So erinnern große Autobahnschleifen auf Satelitenbildern an Maßwerkteile oder Flechtbandornamentik.
Das “Stadtporträt” von “Buenos Aires” nimmt in seinem Werk eine Sonderstellung zwischen den Hochhäusern und den Autobahnkreuzen ein, die sich kaleidoskpartig ewig wiederholenden Formen modernen Bauens. Verblüffend wirkt hier wieder die Tiefe des Bildraumes. Der Künstler scheint mit diesem Bild die Möglichkeiten der Tiefenwirkung von Reliefs auszuloten und zugleich die fotorealistische Illusion mit dem Material Wellpappe.
Skulptur
Auch seine bislang einzige große dreidimensionale Skulptur Turm (6 m) steht in starkem Bezug zum Menschen. Türme sind Zeichen der Macht, aber auch Nutzobjekt und Verbindung zum Himmel. Als Kirchentürme dienten sie über Jahrhunderte den Menschen als Signal, Übersicht und Aussicht. Hier ist der Turm jeglicher sinnvoller Funktion erhoben. Ähnlich dem berühmten Babelturm erstreckt er sich bis zur Decke und reizt den Betrachter einzig durch seine Dimension und Relation zum Mensch. Aus dünnen, leichten Pappen zusammengefügte, erscheint er mächtig und fast bedrohlich, seine organische Gestalt ähnelt einer Windhose. Das Statische wird durch die organische Anordnung der Pappen aufgehoben. Zugleich erinnert die in identisch gleichförmige Rechtecke und wahllos angeordnete Farbigkeit der Kartons an überdimensionale Bildpixel. Der Turm wurde auf der PROFILE INTERMEDIA 7, 2004 gezeigt.
Neu dazugekommen sind kleinere Objekte aus Wellpappe: ein hoher schlanker Wohnsilo-Turm, eine Fiale, die direkt aus den Kathedralenbildern entnommen scheint sowie ein Helikopter, der scheinbaren Bezug zu den Stadtbildern und Autobahnkreuzen hat, gleichsam als Auge, durch das die dargestellte Situation wahrgenommen wird. Die Objekte sind ein Ergebnis seiner Auseinandersetzung mit dem Studium der Skulptur in Wien.
Ausstellungen
- Einzelausstellung Galerie rahncontemporary Zürich, Mai 2010
- Diplom-Ausstellung 2010, Akademie der Bildenden Künste München, Januar 2010
- Gruppenausstellung Galerie rahncontemporary Zürich, November 2009
- Gruppenausstellung Akademie Athen, Oktober 2009
- Art Verona, September 2009
- Gruppenausstellung “Die unsichtbare Hand”, Städtische Galerie Delmenhorst, September bis November 2009
- Art Karlsruhe, März 2009
- Einzelausstellung “Schnitte”, Kunstverein Malkasten Düseldorf, Januar-April 2009
- Kunstmesse Art Fair Köln, Oktober 2008
- Gruppenausstellung “Kunstsommer 2008”, Kunstverein Oberhausen, Aug./Sep. 08
- Einzelausstellung “Kartonagen” im Kunstverein Achim im Juni/Juli 2008
- Teilnahme an der Prag-Triennale, Sommer 2008
- Gruppenausstellung Städtische Galerie Delmenhorst, März-Mai 2008
- Auswahlausstellung Max Ernst Stipendium, Brühl
- Gruppenausstellung, Galerie Epikur Wuppertal, Dezember 2007
- LISTE KÖLN 2007, Galerie Epikur, Köln im April 2007
- Ausstellung “Realität als Malerei”, Galerie Epikur Wuppertal, März/April 2007
- Rundgang der Akademie für bildende Kunst Wien, Jänner 2007
- Gruppenausstellung “vier positionen der klasse kneffel”, Stiftung Burg Kniphausen, Oktober 2006
- Sonderausstellung bei PWC Bremen, Oktober 2006
- Gruppenausstellung “Freistoss”, Galerie Kramer Bremen, 2006
- Gruppenausstellung “Kleben”, Bremer Bürgerschaft, 2006
- Int. Wettbewerb und Gruppenausstellung “Kunstrasen”, Druckerei des Stadtmuseums Halle, Mai/Juni 2006
- Auswahlausstellung für den Bremer Förderpreis für bildende Kunst, Städtische Galerie im Buntentor, März/April 2006
- Rundgang der HfK Bremen, Februar 2006
- Gruppenausstellungsreihe “Am Ende Kunst” , St. Petri Dom, Bremen Januar 2006
- Gruppenausstellung “Große Kunstschau Worpswede, Kunst aus Bremen in Worpswede”, Roselius-Museum Worpswede, Januar 2006
- Europaausstellung im MOYA Wien, Mai bis August 2005
- Auswahlausstellung der Künstlerförderung des Cusanuswerks, Alte Villa des Städtischen Museums Gelsenkirchen, 2005
- Rundgang der HfK Bremen, März 2005
- Gruppenausstellung “magnificent 7th”, PROFILE INTERMEDIA 7, Bremen 2004
- Gruppenausstellung “Die Toteninsel”, Galerie der HfK Bremen, 2004
Stipendien
- Seit März 2005 Studienstipendiat des Cusanuswerks
- WS 2006 - SS 2007 Erasmusstipendium an der Akademie für bildende Kunst Wien
- Oktober 2009 Arbeitsstipendium in Griechenland mit anschließender Gruppenausstellung an der Akademie in Athen.
Publikationen
- Katalog der Prag Triennale 2008: Re-Reading the Future. Ästhetik der Ähnlichkeiten.
- Katalog “Sweet Dreams”, Städtische Galerie Delmenhorst, 2008
- Katalog: “Realität als Malerei”, Galerie Epikur Wuppertal, 2007
- Katalog “vier positionen der klasse kneffel”, Stiftung Burg Kniphausen, 2006
Presseauswahl
- Koreanische Kunst erobert Köln. Print und Onlineausgabe Welt 4.10.2008, Siehe http://www.welt.de/welt_print/article2527757/Koreanische-Kunst-erobert-Koeln.html
- Eröffnungsbericht der Art Fair, Köln 4.10.2008, siehe http://www.art-fair.de/media/raw/AF21_Eroeffnungsbericht_08.pdf
- Ausstellung im Kunstverein Achim, siehe Achimer Kurier 19.06.2008.
- Prag Triennale, siehe http://www.ngprague.cz/itca/18.html
- Ein Kosmos künstlerischen Schaffens. Hochschule der Künste in Bremen. Weser-Kurier vom 14.02.2008. Siehe: http://www.hfk-bremen.de/fileadmin/mediapool/Referat1/PDF/Pressespiegel/BN__Kosmos_140208.pdf
- “Den Reichstag nachgestrickt. Liste Köln buhlt als zweite neue Kunstmesse um Besucher”, Kölnische Rundschau, 18.04.2007. Siehe:http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1176130309077.shtml
Kontakt
Copyright (C) 2004-2010 Alicia Ysabel Spengler, Köln

