Meine Dissertation beschäftigt sich mit der Glasmalerei des Historismus in Wien im allgemeinen und insbesondere mit der ehemaligen Glasmalerei-Ausstattung des Stephansdomes, die am Ende des Zweiten Weltkriegs untergegangenen ist.
Im Historismus hatte die Glasmalerei bei der Ausstattung repräsentativer Bauten, vor allem im sakralen Bereich, eine wichtige Rolle als Bild- und Stimmungsträger. In Österreich wurde sie zunächst nur selten und vermehrt in Privatbauten verwendet. Das lag vermutlich an der Verbindung der Glasmalerei mit der romantischen Neugotik, die hier einen eher privaten Charakter hatte. Zudem war die Glasmalerei kostbar und daher ein Luxusprodukt für die Oberschicht.
In Wien gewann die Glasmalerei vor allem ab Mitte des 19. Jahrhunderts an Bedeutung, als aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und des gleichzeitigen Wirtschaftwachstums die Bautätigkeit stark zunahm. Die Bautätigkeit beschränkte sich nicht nur auf Kirchenneubauten, sondern erstreckte sich auch auf viele Kirchenrenovierungen. Bei Neubauten folgte die Glasmalerei stilistisch meist dem geforderten gotischen und später auch dem romanischen Stil der jeweiligen Kirche. Im letzten Viertel des 19. Jh. kam sie auch bei Renovierungen von barocken Ausstattungen zum Einsatz. Dabei erfand sie viele neue Bilder, die naturgemäß keine historischen Vorbilder hatten. Gerade diese Fenster waren von der Purifizierungswut der nachfolgenden Gerneration besonders betroffen, obwohl sie vielleicht die originellsten Werke historistischer Glasmalerei darstellen. Im Bereich des Sakralbaus finden sich im heutigen Stadtgebiet von Wien in über 100 Kirchen und Kapellen Werke dieses damals blühenden Kunstzweiges.
Im Stephansdom wurden ab 1853 die Fenster sukzessive mit neuen Glasmalereien ausgestattet. Verantwortlich dafür waren zunächst der damalige Dombaumeister Leopold Ernst und der Maler Joseph von Führich. Das Projekt wurde nach dem Tode Leopold Ernsts unter Dombaumeister Friedrich von Schmidt weiterverfolgt. Ab 1869 wurden die Dekorationsmaler Karl und Franz Jobst mit den Entwürfen beauftragt. Bis 1898 gestalteten sie rund 26 Fenster. Ausgeführt wurden die Fenster in der berühmtesten Wiener Firma jener Zeit, der Glasmalerei Carl Geyling. Nach dem Tode Carl Geylings 1880 wurde auch die Tiroler Glasmalerei hinzugezogen, die in Wien eine Filiale gründete. Die Ausstattung der Hauptkirche Österreichs hatte einen großen Einfluss auf die Gestaltung von Glasmalereien vieler Kirchen der Donaumonarchie.
So gestaltete das Team von Schmidt, Jobst und Geyling für weitere Kirchenbauten im In- und Ausland (u.a. in Wien, Paris, Nancy, Bratislava, Klosterneuburg etc.) Fenster, die ebenfalls als Vergleichsobjekte untersucht werden.
Daneben gibt es jedoch unzählige Glasmalereien in den übrigen Kirchen Wiens, die vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Diese stammen aus unterschiedlichen Werkstätten, die zum größten Teil heute (ungerechterweise) nicht mehr bekannt sind. Diese Werkstätten sollen durch die Inventarisation und Bearbeitung der entsprechenden Fenster dem Vergessen entrissen werden.
Grundsätzliches Ziel meiner Forschung ist es, die Entwicklung der historistischen Glasmalerei in Wien aufzuzeigen, Besonderheiten und Gemeinsamkeiten u.a. gegenüber der deutschen Glasmalerei herauszustellen und letztlich deren Bedeutung für die österreichische Kunstgeschichte zu definieren.
Nach Beendigung meiner Doktorarbeit werde ich an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung präsentieren und außerdem füre Archive und Pfarrämter usw., die mir bei den Recherchen geholfen haben, eine eigens dafür bearbeitete, kostenfreie Version zum Herunterladen anbieten.
Alle Texte und Fotos Copyright (C) 2004-2012 Alicia Ysabel Spengler, Köln