Zur Vorgeschichte des Wandbildzyklus gehören auch die Nibelungentradition des Ortes. Worms pflegt das Andenken an seine Vergangenheit nicht nur in Bezug auf römische und mittelalterliche Geschichte als Bischofs- und freie Reichsstadt, sondern auch als Stadt berühmter Reichstage und des Reformationsgeschehens. Nach frühmittelalterlicher Überlieferung und dem Nibelungenlied, soll Worms sogar Residenz des untergegangenen Burgunderreiches gewesen sein. Der Stellung als herausragendem Ort der dramaturgischen Handlung war sich Worms stets bewußt. So wurden um 1495 die Gestalten der Nibelungensage in Fassadenfresken an der sogenannten M?, einem spätgotischen Erweiterungsbau des Rathauses, durch Nicolaus Nievergalt dargestellt.
Obwohl die Malerei zusammen mit der Architektur des Baus verlorenging, regte die Überlieferung von den spätgotischen Nibelungenbildern vermutlich die Auftraggeber des Erweiterungsbaus des Rathauses nach 1900 an, diesen durch Wandbilder mit gleicher Thematik ausführen zu lassen. Anhand dieses Beispiels lassen sich auch die Tr䧥r und Interessen monumentaler Nibelungen-Malerei und -Plastik im zweiten deutschen Kaiserreich sichtbar machen. So bediente sich vor allem das Bürgertum der Nibelungen zur reputationsf?rnden Selbstdarstellung, wobei die nationalen Prestigewerte des Stoffes häufig mit lokalpatriotischen verbunden wurden. Schmolls Wandbildzyklus für das Wormser Cornelianum stellt dabei eine sehr bedeutende künstlerische Bildadaption des Stoffes dar.
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Es handelt sich bei diesem Text um eine Einleitung zu meiner Hausarbeit bei Prof. Dr. W. Krause (2000, Note “sehr gut”): “Die Nibelungen von K. Schmoll von Eisenwerth im Cornelianum zu Worms”.
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