Da über Jahrhunderte hinweg die Ausstattung einem stetem Wandel unterworfen war, stellt sich die Frage nach der ursprünglichen Ausgestaltung, bzw. den angestrebten Plänen dazu. In einer scheinbar unbegrenzten Zahl von Betrachtungsmöglichkeiten des Bauwerkes ist dies ist ein weiterer sehr interessanter Aspekt.
Zunächst einmal muß festgehalten werden, daß der Chor des Domes seine mittelalterliche Ausstattung in einer Weise hat bewahren können, wie kaum eine der anderen großen gotischen Kathedralen. Einige der wichtigsten Ausstattungselemente des Domes sind die Farbfenster, ohne die eine gotische Kathedrale unvollständig wäre. Im Kölner Dom sind außerordentlich viele mittelalterliche Glasfenster erhalten geblieben; insgesamt 43 Fenster mit etwa 1350 qm Fläche. Von der ursprünglichen Verglasung des Domes haben sich die meisten Fenster im Obergaden und von den Kapellenfenstern nur die in der Achskapelle, heute Dreikönigskapelle genannt, erhalten. Dazu gehören auch das mittlere der drei Fenster, das sogenannte Ältere Bibelfenster, das als das älteste erhaltene Fenster im Kölner Dom und das nachweislich älteste erhaltene Bibelfenster überhaupt gilt. Deshalb lassen sich, unter Vorbehalt, Rückschlüsse auf die ursprüngliche Komposition der übrigen Chorkapellen schließen.
Bibelfenster nahmen immer diesen ranghöchsten Fensterplatz ein und sind heute nur im Rheinland (Köln, Mönchengladbach, Xanten und Oppenheim), Elsaß (Straßurg, Colmar und Weißenburg), Schwaben (Wimpfen, Stetten und Esslingen) und ein weiteres in der Franziskanerkirche in Assisi erhalten geblieben. Aufgrund dieser Tatsache geht man heute davon aus, daß Bibelfenster ab Mitte des 13. Jahrhunderts im Rheinland entwickelt wurden und eine Besonderheit längs des Rheines sind, denn auch das Assisifenster wurde nachweislich von einer deutschen Werkstatt gefertigt. (... weiter geht’s nach dem Herunterladen des Textes, s.u.)
Es handelt sich bei diesem Text um eine Einleitung zu meiner Hausarbeit bei Prof. Dr. B. Schellewald (1998, Note “sehr gut”): “Das typologische Programm des Glasfensters in der Achskapelle des Kölner Domes und seine Genese.”
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