Die Gotik gilt heute als die eigenständigste Stilepoche in der europäischen Kunstgeschichte seit der Antike. Ihre markanteste Ausprägung fand sie in Architektur und Plastik, sie wirkte aber ebenso bedeutend in Malerei und Kunsthandwerk.
Die Gotik gilt heute als die eigenständigste Stilepoche in der europäischen Kunstgeschichte seit der Antike. Ihre markanteste Ausprägung fand sie in Architektur und Plastik, sie wirkte aber ebenso bedeutend in Malerei und Kunsthandwerk.
Gotik
Dem Begriff “Gotik” liegt die Auffassung der ital. Renaissance-Theoretiker (Giorgio Vasari, 1511-1574) zugrunde, dass dem antiken “goldenen Zeitalter” ein barbarisches Mittelalter, verkörpert durch Goten (nach der Eroberung Roms) folgte, welches durch die vollkommene Zeit der Renaissance überwunden wurde. Erst mit dem wachsenden bürgerlichen Nationalbewusstsein im 18. und 19. Jahrhundert in England, Frankreich und Deutschland änderte sich die Beurteilung und der Begriff Gotik wurde als Stilbegriff für den Zeitraum verwendet, der zwischen Romanik und Renaissance liegt.
Erste gotische Bauwerke entstanden Mitte des 12. Jahrhunderts im französischen Kronland (Île de France), wurden rasch von umliegenden Landschaften, wie der Champagne, der Picardie und der Normandie (von wo die Gotik aufgrund der politischen Verbindung nach England kam vgl. Canterbury 1175) aufgegriffen und prägten schließlich die Architektur in ganz Westeuropa (Deutschland erst nach 1200). Noch bis 1270 blieben die Bauhütten des Kronlandes die eigentlichen Innovationszentren.
Die Stilepoche der Gotik dauerte bis zu 400 Jahre, so in Frankreich von ca. 1130 bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an; die zeitliche Dauer der Gotik war jedoch von Land zu Land unterschiedlich. Schon alleine die Ausdehnung und die Dauer dieses Zeitraumes machen deutlich, dass es sich hierbei nicht um eine einheitliche Entwicklung oder gar um einen einheitlichen Stil handeln kann. Man unterteilt die Epoche in folgende Gruppierungen: Frühgotik, Hochgotik und Spätgotik.
Die Gotik bildete sich vor dem Hintergrund tiefgreifender politischer, religiöser und gesellschaftlicher Strukturveränderungen. Die Architektur ist Ergebnis und Ausdruck einer Epoche der Erneuerung Frankreichs zwischen 1130 (unter Ludwig VI) bis zum Tode Ludwigs IX. und Ausdruck der neuen gesellschaftlichen Konstellation. Frankreich entwickelte sich politisch zu einer europäischen Vormacht, die im 14. Jahrhundert großen Einfluss auf die Päpste ausübte. Seine Hauptstadt Paris mit seiner Universität entwickelte sich zum Mittelpunkt der europäischen Bildung. Die zeitlichen und räumlichen Übereinstimmungen mit der Scholastik wurden deshalb oft in Beziehung zueinander gesetzt. Die Zeit der Gotik wurde von religiösen Bewegungen, wie Mystik, Bettelorden oder Baubewegung geprägt. Die gesellschaftliche Entwicklung hatte in den Städten als Zentren der Wirtschaft und Wohnsitz von Feudalherren ihren Ausgangspunkt. Hier kam es zu dieser Zeit zu einem starken wirtschaftlichen Aufstieg des städtischen Bürgertums.
Führende Bauaufgabe der Gotik ist die Kirche. Die Kathedralen sind dabei nur die Spitze der Pyramide. Im 12. und 13. Jh. entstanden alleine im frz. Kronland 1.300 Kirchen. Die Kathedralen wurden zum spirituellen Zentrum und Ausdruck dieser Entwicklung in den Städten. Nach Günther Binding stellen sie einen Zusammenklang von Konstruktion, Illusion, Rationalität und theologischen Ideen dar. Die Errichtung von Kathedralen war eine Hauptaufgabe, da sie nicht nur Bischofssitz, sondern auch als Wohnung Gottes galten. Die himmelwärts strebende Architektur sollte das “himmlische Jerusalem” versinnbildlichen und das Streben der Menschen zu Gott zum Ausdruck bringen. Die Bildprogramme veranschaulichten die Kirchlichen Lehren und Glaubensvorstellungen. Sie lehrten die Betrachtenden biblische Geschichten und mahnten eine fromme Lebensführung an.
Die technischen Innovationen machten die Bauhütten mit den heutigen Technologiezentren vergleichbar. Den Formgesetzen der Architektur gotischer Kathedralen ordneten sich die anderen Künste, wie Skulptur, Malerei und Glasmalerei unter. Im Folgenden soll das Hauptaugenmerk deshalb auf die Architektur, insbesondere der Kathedralen der Gotik in Frankreich gerichtet sein.
In der Kathedralbaukunst erhielt die Zeit der Gotik ihren ureigensten künstlerischen Ausdruck und ihre repräsentativste Ausformung. Hier lassen sich die Merkmale der Gotik auch am besten verdeutlichen. Die stilprägende Dimension der Gotik war die Vertikale. Die hoch aufstrebende Bauweise der Gotik sollte den Eindruck von Erhabenheit vermitteln. Die einzelnen Elemente wie Spitzbogen (burgundischer Raum vor 1100), Strebewerk (z.B. St.-Germer-de-Fly um 1132) oder Kreuzrippen (um 1100 gleichzeitig in Norditalien, Speyer, Normandie, England, z.B. Durham entwickelt) sind keine Erfindung der Gotik. Das neue Bauen zeigt sich in der Zusammenfassung dieser Motive zu einem gotischen System mit größerer Lichtfülle durch die in Fenster aufgelösten Wänden, Strebewerk und Maßwerkgittern. Von daher bezeichnet man die charakteristische Reduzierung der Architektur auf das rein statisch notwendige als gotische Skelettbauweise, deren Bauglieder durch Zier, wie Wimperge, Fialen, Kreuzblumen und Krabben bereichert werden. Eine weitere architektonische Besonderheit bestand darin, den Innenraum nicht mehr streng zu untergliedern sondern als Einheit zu betrachten (Lincoln 1210: „non res unitas sed una“). Einzelne der im Sakralbau entwickelten Motive und vor allem die Bautechnik wurden auch in der Profanarchitektur übernommen.
Frühgotik
Die Frühgotik war eine Epoche des Übergangsstiles, in dem die Romanik abgelöst wurde. Bereits im 11. Jahrhundert sind in der normannischen, bzw. burgundischen Architektur Vorstufen der Gotik durch die Verwendung von Kreuzrippen und Spitzbogen erkennbar. Trotz einiger Vorläufer gilt Saint-Denis als erster vollständig gotischer Bau, weil hier erstmals die oben genannten technischen und ästhetischen Neuerung in einem einheitlichen System verwendet wurden. Die Abteikirche Saint-Denis war Grabstätte des französischen Nationalheiligen Dionysius und gleichzeitig Grablege der merowingischen und französischen Könige. Die Pläne des einflussreichen Bauherrn Abt Suger (1081-1151, ab 1122 Abt) für einen Umbau der Abteikirche waren deshalb nicht nur religiös und ästhetisch, sondern auch politisch stark motiviert. Er entwickelte ein neues Bild sakralpolitischer Repräsentation, indem er die karolingischen Wurzeln des französischen Königtums (Karl der Kahle, ebenfalls in St. Denis bestattet) und dessen Universalanspruch auf Frankreich (in Konkurrenz zu den normannischen Königen Englands) betonte und gleichzeitig eine Erneuerung des französischen Königshauses anstrebte.
Zunächst wurden der Westbau und die Choranlage neu gestaltet. Sie sollten zu einer Aufwertung des (der Legende nach von Christus geweihten) Langhauses beitragen. Zuerst ließ der Abt um 1137 einen Westbau in der Tradition karolingischer Westwerke (nach Peter Kurmann) errichten, der mit drei großen Portalen ausgestattet wurde und dessen mittleres erstmals von einer Fensterrose bekrönt wurde. Die Zweiturmfassade (in Anlehnung an den Konkurrenzbau der Normannen in Caen) erhielt reichen Portalschmuck, wobei die Gewände mit Säulenfiguren alttestamentarischer Könige geschmückt wurden, und einem Zinnenkranz als Abschluss. So wurde eine Verbindung von biblischen zu den zeitgenössischen Herrschern hergestellt, die somit sakral legitimiert wurden. Die Figuren gelten als älteste Beispiele für gotische Skulptur. Zugleich gelten die Westportale von St. Denis (als Vorbild für Chartres und Paris s.u.) als erste Vertreter der gotischen Figurenportale. 1140-44 entstand über einer Umgangskrypta mit romanischen Formen (Verwendung älterer Stilformen für untergeordnete Bauteile) ein fünfschiffiger Chorneubau mit doppeltem Chorumgang und angegliedertem Kapellenkranz. Hier wurde erstmals stringent ein System aus Spitzbogen und Rippengewölben in unterschiedlich geformten Jochen angewendet. Strebepfeiler ersetzen die massiven Mauerflächen zwischen den radial angelegten Chorkapellen, die sich in dichter Reihung an dem Umgang anschließen. Das Fehlen der Trennwände zwischen den Chorkapellen lässt den Eindruck eines Einheitsraumes entstehen. Die Fenster reichen bis fast auf den Boden. So kann viel Licht durch die bis heute erhaltenen bunten Glasfenster ungehindert von den weit auseinandergezogenen stützen ins Kircheninnere fallen. Bau und Glasfenster sollen die Betrachtenden zum Licht des Überirdischen erheben.
Schon bald wurden diese neuen Ideen aufgegriffen. Nach 1137 entstanden zahlreiche Nachfolgebauten, die ebenfalls diese neue Bauweise mit alter Bausubstanz kontrastieren lassen. Dazu zählt die Kathedrale von Senlis (1151-1191), die sich eng an das Vorbild in Chor und Westfassade des Vorgängerbaus hält und gleichzeitig im Westbau einen innovativen Skulpturenschmuck mit Marienthema (1170) zeigt. In St.-Germain-des-Prés in Paris (1167 geweiht) wurde einem alten Westturm ein neuer Chor entgegengesetzt. Im dreigeschossigen Chor gibt es ein Triforium und am Außenbau das früheste erhaltene offene Strebewerk. Auch hier handelt es sich um eine alte Grablege. Die Merowingergräber wurden hier, wie auch schon in St. Denis, erneuert. In der Kathedrale von Reims wurde ebenfalls zunächst nur ein neuer Chor und eine neue Fassade an das alte Langhaus angebaut. Im frühen 13. Jahrhundert wurde der Bau jedoch vollständig erneuert (s.u.). Dagegen hat sich in der Beneditkinerabteikirche St. Rémi (1165 begonnen) in Reims ein großer Teil aus dieser Zeit erhalten. Die frühgotische Fassade steht zwischen zwei älteren Türmen. Nach Kimpel/Suckale gilt St. Rémi als erste außen wie innen gelungene Fassade der Gotik. Der Chorbau mit viergeschossiger Gliederung besitzt einen Kapellenkranz und einen Laufgang vor den Fenstern der Achskapelle. St. Rémi war wahrscheinlich ein Vorbild für die Stiftskirche Notre-Dame-en-Vaux (spätes 12. Jahrhundert) in Châlons-sur-Marne, die scheinbar den Endpunkt in der Entwicklung stilistisch heterogener Bauten in der Frühgotik darstellt.
Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstanden zunehmend einheitliche Kirchen. St. Denis war vor allem auch ein Vorbild für die frühgotischen Kathedralen der Île de France, wie Sens, Noyon, Laon oder Paris.
Ab 1140 entstand in Sens, zu dessen Erzbistum auch Paris gehörte, der erste große gotische Kathedralbau dieser Zeit. Er wurde im Vergleich zu St. Denis als weniger innovativ empfunden aufgrund breiter und gedrungener Proportionen. Durch die Reduktion von Räumen und wegen seiner Einfachheit und Einheitlichkeit hat Sens Vorbildfunktion. Als einer der ersten Bauten wurden hier konsequent Strebebögen und Pfeiler verwendet, was einen dreigeschossigen Wandaufriss (ohne Emporen, mit Triforium) bei der großen Gewölbe- und Jochbreite ermöglichte, wobei die Gewölbejoche über Quadraten sechsteilig eingewölbt wurden. Sie ist dadurch wichtig für die Entwicklung des gotischen Wandsystems und war Vorbild für viele hochgotische Kathedralen. Auch hier wurde die Lichtwirkung gesteigert und eine neue Sakralität der architektonischen Wirkung erreicht. Die baukünstlerisch hohe Bedeutung liegt vor allem in der Klarheit der dreigeschossigen Ordnung und dem Bestreben, diese einheitlich im ganzen Bau beizubehalten.
In der Kathedrale von Noyon wurde ab 1150 mit dem Bau des Umgangschores und Kapellenkranz begonnen. Durch die Hinzufügung des Triforiums ergibt sich ein vierteiliger Wandaufriss in Langhaus und Querschiffarmen, der die Wandfläche weiter auflöst (vor allem in den Querhausarmen, vgl. auch Soissons). In den Arkaden wechseln Bündelpfeiler und Rundpfeiler als Stützen und erzeugen eine rhythmische Struktur der Wände. Um die Dienstbündel wurden Schaftringe gelegt, die in den entsprechenden Höhen mit den Gesimsen korrespondieren und nach oben hin zunehmend Zierlichkeit der Architekturformen. Der Aufriss war ein Ausgangspunkt für Laon.
In der Folgezeit wurde die Vertikalität und Einheitlichkeit des Raumes weiter vorangetrieben. Beim Bau der Kathedrale von Laon (um 1160-1220) wurde deshalb in der Arkadenzone statt des Stützenwechsels durchgehende Rundpfeiler verwendet, obwohl die darüber liegenden Gewölbe sechsteilig bleiben. Die Westfassade (vor 1200) stellt eine weitere Besonderheit innerhalb der Entwicklung gotischer Kathedralen dar. Die Doppelturmfassade mit ihrer Dominanz der Mitte über die Seiten bezog sich erstmals planmäßig auf den Innenraum und wurde in den Baukörper integriert. Die Fassade zeigt eine prachtvolle Auflösung des Mauerwerks. Während die Portalanlage weit vorsteht, ist die Fenstergruppe darüber tief eingeschnitten. Gleichzeitig korrespondiert die Vorhalle mit der Rose. Die Westrose gilt als Initiation der Technik der Maßwerkfenster und vorbildlich für spätere Rosen. Die skulpturale Ausstattung des Westportals steht am Anfang antikisierender Strömungen in der Skulptur Nordfrankreichs, wie es sich an den Gewändern und gleichzeitiger Belebung der Figuren zeigt. Ikonographisch lehnt sich Laon an Senlis an.
Laon gilt als das reifste Beispiel der von St. Denis ausgehenden Linie frühgotischer Emporenkirchen und ein besonderes Vorbild für die Architektur der Champagne und die deutsche Gotik, z.B. die mit vier aufgelösten Ecktürmen und Fialen um einen Kern gegliederten Türme (ohne vollendete Steinhelme) auf die Westtürme von Bamberg, Naumburg und die Blatt- und Rankenkapitelle der Emporen auf Magdeburg. Außerdem wurde die Vieltürmigkeit (7) und die Innengliederung eine entscheidende Anregung für St. Georg in Limburg an der Lahn.
Im Gegensatz zu den vorangegangen Kathedralen steht die Kathedrale Notre Dame von Paris (begonnen nach 1163). Paris ist die letzte frühgotische Kathedrale mit Empore und zugleich der Prototyp der französischen Kathedrale schlechthin, da hier erstmals der Versuch unternommen wurde, ein gleichermaßen einheitliches wie monumentales Bauwerk im neuen Stil zu schaffen. Sie ist fünfschiffig (vgl. Rom und Cluny), 130m lang und 35m hoch und geht damit über das bekannte Maß der Zeit weit hinaus.
Wie in Laon bestehen hier die Arkaden aus einer Folge gleichmäßiger Säulen mit einheitlichen Bündeln von je drei Diensten, die ein sechsteiliges Gewölbe stützen. Im Aufriss fehlt das Triforium und war ehedem durch eine Rosenzone (s.u.) ersetzt. Insgesamt ergibt sich eine konzentrierte Raumstruktur, deren Rhythmus durch die gleichmäßige Abfolge der Arkaden und der Reihung der Rundpfeiler bestimmt ist. Dabei sind die Dienste in Paris schlanker gebildet und weiter auseinandergerückt, so dass die Mauer sichtbar wird. Ursprünglich war die Fläche der dünnen Wand über den Emporen größer und nur von Rosen und den darüber liegenden Obergadenfenstern durchbrochen, was den Effekt aus dem Kontrast der Wandfläche zu den Diensten verstärkte. Das Thema wurde auch an der Westfassade aufgegriffen, die sich auf Laon bezog, insgesamt jedoch flächiger erscheint. Die Erdgeschoßwand ist hier jedoch soweit vorgezogen, dass die Portale mit ihrem aufwendigen Skulpturenprogramm darin vertieft wurden, anstatt wie in Laon vorzuspringen. Die Strebepfeiler müssen ebenfalls nicht so weit vortreten, da die Türme über die doppelten Seitenschiffe weitgehend stabilisiert wurden. Die Rose entstand zwischen 1220-1225. Sie hat einen Durchmesser von 9,60m und ist die größte ihrer Zeit. Als Abschluss dient die erste durchbrochene Galerie. Notre Dame gilt als Höhepunkt der Frühgotik in Paris.
Hochgotik
Die Hochgotik zeichnet sich durch den Bau großer Kathedralen mit einheitlicher Raumstruktur und weitgehend aufgelöster Wandfläche aus. Am Ende der Hochgotik um 1270 gab es in Frankreich schon etwa 80 Kathedralen. Um 1200 entstanden viele Neubauten aus dem vorhandenen Formrepertoire der vorangegangenen Kathedralen, allen voran Laon.
Ein erstes Beispiel für die Architektur der Hochgotik ist die Kathedrale von Chartres, wo sich vor allem die ursprüngliche Verglasung fast vollständig erhalten hat. Chartres ist das wichtigste Marienheiligtum im mittelalterlichen Frankreich. Das Bauwerk, das nach einem Brand 1194 entstand, bedeutet den Beginn der “klassischen” Kathedralen. Der Neubau mit Querhaus wurde bis 1220 errichtet, wobei die Krypta und die Westfassade des Vorgängerbaus erhalten blieben. Die nach dem Vorbild von St. Denis ab 1150 entstandene Fassade mit den drei Portalen und Fenstern und der großen Westrose (um 1200) besaß einen reichen Skulpturenschmuck. Am Königsportal (1145-1155) befinden sich auch die Skulpturen, die den Umbruch der romanischen zur frühgotischen Skulptur offenbaren. Die Figuren sind hier gleichsam vor die Säulen der Portalwände getreten und annähernd vollrund ausgearbeitet. Sie werden somit zu autonom wirkenden Erscheinungen. Die Archivolten waren durch die Stufung des Portals zu neuen architektonischen Bildträgern geworden. Über der Portalzone befindet sich die große Westrose (vgl. Laon) um 1220.
Am gegen 1205 entstandenen Marienportal im nördl. Querhaus ist der antikisierende Stil von Laon wieder aufgenommen, aber in eine ruhigere Form transformiert worden. Chartres und Reims sind heute die einzigen Kathedralen mit vollständigen erhaltenen Portalskulpturzyklen. (Paris, Noyon etc. durch frz. Revolution zerstört)
Obwohl beim Neubau einige architektonische Zitate anderer Kathedralen verwendet wurden (vgl. Soissons, Paris, St. Denis..), handelt es sich bei Chartres um einen sehr eigenständigen Bau, der durch Einfachheit, plastische Kraft und Höhe (37 m) beeindruckt. Durch das Weglassen der Galerie/Empore (von St. Denis bis Paris für Wallfahrtskirchen üblich, Funktionswandel durch Elevation?) des 2. Geschosses zugunsten hoher Seitenschiffe und großer Obergadenfenster wurde der dreizonige Wandaufriss eingeführt. Dabei sind Arkade und Obergaden etwa gleich groß. Das Triforium erhielt einen durchgängigen Laufgang. Diese Gliederung von Arkadenzone, Triforium und Obergaden wurde für alle folgenden gotischen Kathedralen wegweisend. Auch die Verdrängung der Wandflächen durch die Fenster wurde hier weiter vorangetrieben.
Statt der reinen Rundpfeiler wie in Paris oder Laon wurden in Chartres dem Pfeiler vier dünnere Vorlagen kreuzweise zugeordnet, die bis zum Gewölbeansatz führen. Die Pfeiler wurden hier differenziert, und abwechselnd folgte auf einen Achteckpfeiler mit Rundvorlagen/-diensten ein Rundpfeiler mit Achteckvorlagen/-diensten. Pfeiler und Vorlage verschmelzen in der durchgehenden Kämpferplatte. Die sog. kantonierten Pfeiler der Arkade erzeugen einen Rhythmus und steigerten den Eindruck der Vertikalität und Monumentalität und gelten seit Chartres als Bestandteile klass. Architektur der Gotik. Jedoch ist die Kapitellhöhe für Pfeiler und Vorlagen hier noch verschieden.
Eine weitere Neuerung sind die Gewölbe. Statt der sechsteiligen Gewölbe mit dem herkömmlichen Stützenwechsel (vgl. Sens, Laon...) gibt es seit Chartres nur noch schlichte querrechteckige Rippenkreuzgewölbe, sogenannte Travéen, mit zugeordneten quadratischen Seitenschiffjochen. Daraus ergibt sich eine schnellere Abfolge der Raumeinheiten. Ebenfalls auffällig sind die starken Strebepfeiler mit drei Strebebogen und Auflast am Außenbau, die eine Voraussetzung für die Höhe des Obergadens sind.
Eine weitere wichtige Entwicklung in Chartres war das Obergadenfenster, das erstmals der Größe der Arkadenzone und der Höhe der Westrose entsprach und ein Gegengewicht zu den Fenstern der Arkadenzone bildete. Es füllte die ganze Breite des oberen Wandfeldes bis tief unter(!) den Gewölbeansatz aus. Es bestand aus zwei konventionell aufgemauerten Lanzettfenstern und darüber einem Rundfenster aus einem Achtpass, der von kleineren Pässen begleitet wurde. Sie nahmen die gesamte Breite und Höhe einer Arkade ein und entsprachen dem System der durchbrochenen Mauerfläche. Da es sich noch um drei selbständige, in die Wandfläche eingeschnittene Fenster handelt, die als Gruppe zusammenwirken, spricht man noch von einem sogenannten Gruppenfenster. Sie waren jedoch ein wichtiger Zwischenschritt zur Bildung des echten Maßwerks.
Etwa zeitgleich mit Chartres entsteht als eine parallele Strömung für gotische Bauwerke die Kathedrale von Bourges (beg. 1195). Sie verzichtet auf das Querhaus um zu einer einheitlicheren Ansicht zu kommen. Sie ist fünfschiffig wie Notre Dame zu Paris, wobei sich die einzelnen Schiffe zur Mitte hin in ihrer Höhe steigern. Durch diese Staffelung erscheint das Niveau des Erdgeschosses sehr breit, während die oberen Wandzonen wie in Amiens (s.u.) stark nach oben gerückt wurden. Durch Erhöhung der Arkadenwände erreicht der erhabene Eindruck bei der fünfschiffigen Kathedrale von Bourges einen vorläufigen Höhepunkt.
Der Versuch die Kathedrale von Chartres an Monumentalität zu überbieten, führte nach dem Brand der alten Kathedrale von Reims dazu, dass der 1211 errichtete Bau mit den Traditionen lokaler Baukunst brach, um das Vorbild von Chartres zu adaptieren. Reims besaß das Krönungsprivileg und stand dadurch u.a. in Konkurrenz zu St. Denis. Den Anspruch den Reims daraus ableitete lässt sich an der Architektur und dem Bildprogramm ablesen. Man verwandte einige Architekturzitate, wie den Bezug zu Chartres, Sens, St. Rémi und vielleicht auch dem Vorgängerbau. Jedoch sollte Reims noch höher und monumentaler als Chartres werden. Der Chartreser Aufriss wurde systematisiert, jedoch ohne den dortigen Rhythmuswechsel. Das neuartige und folgenreichste war, dass an Stelle der Gruppenfenster echtes Maßwerk eingesetzt wurde, bei dem auch die Zwickel in Glas aufgelöst wurden. Säulchen und Stabwerk wurden trennende Glieder. Dies erlaubte eine Vergrößerung der farbigen Glasflächen und damit des Schmucks.
Die Anlage des Chores weicht ebenfalls von Chartres ab. Der Kapellenkranz ist durch hohe Spitzbogenarkaden bekrönt. Über den Strebepfeilern sind Tabernakel errichtet, in denen große Engelsstatuen stehen, die die statische Funktion der Pfeiler überspielen und sich am gesamten Außenbau fortsetzen. Am Westportal, dessen Portalschmuck Mitte des 13. Jahrhunderts entstand, gilt die Gruppe der Heimsuchung als ein Höhepunkt der mittelalterlichen Auseinandersetzung mit antiker Plastik. Maria und Elisabeth stehen im Kontrapost an den Gewändesäulen des Portals und ihre Gewänder liegen in antiker Manier am Körper. Insgesamt zeigt Reims im Vergleich zu der schematischen Baudekoration von Chartres einen größeren Motivreichtum mit unterschiedlichen Schmuckformen, wie natürliches Blattwerk.
Eine weitere Steigerung dieser genannten “Monumetalbauten” konnte mit den vorhandenen Mitteln nicht mehr erreicht werden, da der Aufwand zu groß geworden wäre. Durch die Rationalisierung in der Bautechnik (um 1200), perfekte Planungen und Verzicht auf Steinmassen, konnte die Kathedrale von Amiens leichter und vor allem noch höher als ihre Vorgängerbauten werden. Statt einer Imitation der Pfeilermassen in Chartres und Reims, griff man beim Bau der Kathedrale von Amiens (ab 1220) auf schlankere Pfeiler zurück, die jedoch wie nach Chartreser Vorbild mit Diensten umstellt wurden. Die Höhe der Arkade entspricht der von Triforium und Obergaden zusammen. Blattwerk markiert die Mitte des Aufriss. Die schlanken und langen Stützen heben die Hochschiffwände in für Betrachter scheinbar unerreichbare Zonen.
Am Trumeau des Südportals steht die Figur der Vierge Dorée (ehemals vergoldet). Sie ist ebenso kunsthistorisch bedeutungsvoll wie die schon erwähnten Reimser Figuren. Sie wendet sich lächelnd Beziehung dem Kinde zu und zeigt durch den eingesetzten Kontrapost eine von innen heraus ablesbare Spannung. Die somit erzeugte erstmals gezeigte innige Beziehung zwischen der Muttergottes und dem Kind ist Ausgangspunkt für zahlreiche Bildwerke dieses Themas.
In der hier dargestellten Abfolge der gotischen Bauwerke lässt sich eine Entwicklung nachvollziehen, bei der die Wände auf ein Minimum reduziert, beziehungsweise durch Fenster ersetzt und die Innenräume in die Höhe getrieben werden. Als Voraussetzung gilt die vorangegangene Rationalisierung des Bauwesens. Gleichzeitig kam es um 1200 mit der Typisierung und seriellen Vorfertigung zu einer gewissen Normierung gotischer Bauweise. Spätestens ab der Mitte des 13. Jahrhunderts tritt die Fläche hinter das Stabwerk zurück.
So entsteht in den 1220er Jahren die sogenannte Rayonnant-Gotik. Der Begriff des Rayonnant-Stil (rayonnant = strahlend) bezieht sich auf die strahlenförmigen Speichen in den Fensterrosen der Kathedralen, die das beherrschende Motiv werden. Die Helligkeit des Raumes wird nicht durch die Raumgröße gesteigert, sondern durch die weitere Auflösung der Wandflächen. Seit 1220/30 erleichtern kleinmaßstäbliche Zeichnungen den Architekten die Arbeit, so dass die komplizierten Formen der filigranen und reichen Rosenfenster auf dem Blatt entworfen werden konnten. In der Folge werden die Verfeinerung der überkommenen Motive und die Erfindung immer neuer Zierformen der Schwerpunkt architektonischer Tätigkeiten. Die Stilphase wurde häufig auch als “Hofstil Ludwigs des Heiligen genannt”, da die monarchienahen Bauten, wie die St. Chapelle oder der Umbau von St. Denis unter Ludwig IX. für die Architekturentwicklung seit Amiens von großer Bedeutung waren.
Einer der ersten Bauten in diesem Stil war wieder die Abteikirche von St. Denis, wo ab 1231 das karolingische Langhaus erneuert wurde. Bündelpfeiler über kreuzförmigen Grundriss ersetzen die bis dahin in den Langhausarkaden üblichen Rundstützen oder kantonierten Pfeiler. Dies hatte weitreichende Folgen, da bis dahin das Säulenkapitell eine Zäsur gebildet hatte, jetzt aber Teile der Säulenbündel bis zum Mittelschiffgewölbe durchlaufen konnten. Die Architektur ist dabei in zwei Zonen zu unterscheiden, die robustere Arkadenzone und die gitterartige Fensterzone, wobei die gesamte Architektur von der Gestalt der Fenster und deren Stabwerk dominiert wird. Die gitterhaft dünne Struktur lässt mit Ausnahme der Zwickel in den Arkaden und Triforiumzone keine Mauerfläche mehr übrig. Außerdem besitzt St. Denis das erste durchfensterte Triforium. Die Nordfassade mit der Fensterrose aus dünnem, netzartigen Stabwerk gilt als erste meisterliche Rayonnantfassade.
Mit der neuen Kirche von St. Denis fand die Gigantomanie der hochgotischen Kathedrale ein Ende. Gleichzeitig entstehen qualitativ hochwertige Bauwerke, wie zu Beispiel die Kathedrale von Auxerre (1215-30), deren zierliche Eleganz ein Vorbild für Burgund und die Rayonnantgotik wird.
Eine Ausnahme bildet ein Bau wie der Chor der Kathedrale von Beauvais. Sie wurde 1226, bei der Thronbesteigung Ludwig IX. begonnen. Bei dem 1272 geweihten Chor, der jedoch schon 1284 einstürzte, scheint man eine Synthese der beiden monumentalen Kathedralen von Chartres (dreigeschossiger Aufriss) und Bourges (fünfschiffig gestaffelter Grundriss) geplant zu haben. Sie sollten jedoch durch die vollkommene Durchleuchtung aller Wandteile übertroffen werden. Hier wurde die Übersteigerung der Proportionen bei gleichzeitiger Reduktion der tragenden Glieder bis zum Äußersten getrieben. Die Höhe des Innenraumes beträgt 48m. Nach dem Einsturz erneuerte man den Chor bis 1573, konnte die Kathedrale jedoch aufgrund statischer Probleme nicht vollenden.
Ab Mitte des 13. Jh. wird die Kapelle zum neuen Leitbild der Architektur. In den kleinformatigen Bauwerken werden die einzelnen Motive aus nächster Nähe sichtbar. Es entstehen vermehrt Kapellenbauten und Anbauten an den Kathedralen, wie die Schlosskapelle von Saint-Germain-en-Laye, die erzbischöfliche Kapelle in Reims oder später die Schlosskapellen von Vincennes und Riom etc. In den gesonderten Kapellenanbauten kündigt sich schon früh die neue Frömmigkeitshaltung der Mystik an, wobei sie in dieser Zeit noch deutlich in den Zusammenhang mit der Kathedrale gehören.
Ein großes Vorbild war die St. Chapelle in Paris, die Ludwig IX. in den Jahren 1243-48 für die Aufbewahrung der Reliquie der heiligen Dornenkrone als Palastkapelle errichten ließ. In der Unterkirche der zweigeschossigen Kapelle steht das Gewölbe auf dünnen Säulen mitten im Raum, Der Seitenschub wird von zierlichen Maßwerkbögen zu den Außenmauern hin abgeleitet. Die Wand der Oberkirche besteht aus einer flachen Sockelarkade und den darüber aufragenden schlanken Fenstern mit kleinteiligen, vorwiegend in den Wappenfarben des Königs gehaltenen Motiven. Die bildliche Ausstattung der Kapelle tritt in den Vordergrund, wobei die Architektur zum dienenden Träger und Rahmen wird.
In den letzten Jahrzehnten der Regierungszeit Ludwigs IX. erlahmen die innovativen Kräfte der Baukunst im frz. Kronland. Das Bauwesen stagniert und kommt teilweise zum Erliegen. Der anfangs so vielfältige Stil wird im Kronland auf Normen festgelegt. Aufziehende Krisen zerstören die ökonomischen Grundlagen für weitere Großbauten. Die Aufgaben der Architekten bestanden zu großen Teilen aus Ergänzungs- oder Reparaturarbeiten.
Nach 1258 fand unter dem Pariser Architekten Pierre de Montreuil die Neugestaltung der Südquerhausfassade der Kathedrale Notre Dame von Paris statt. Typischerweise handelte es sich dabei nicht um die Schaffung eines Raumes, sondern die Umgestaltung eines Außenbaues. Auch konstruktive Probleme waren nicht zu lösen, da der Architekt die Aufgabe hatte, die schon vorhandene Rose des Nordquerhauses zu kopieren. Die Neuerung lag hier in der Komposition. Montreuil verband in der Rose Bewegung und Gegenbewegung, so dass sich die Strahlen sowohl nach außen als auch nach innen zu richten scheinen. Im Gegensatz dazu komponierte er eine konventionelle Variation im Giebel darüber. Insgesamt gilt die Komposition als eines der abschließenden Meisterwerke hochgotischer Architektur in Frankreich.
Die sakrale Baukunst hatte einen Grad an Perfektion erreicht, der kaum noch zu überbieten war. Nach dem Neubau von St. Denis 1231 führte das in den folgenden 150 Jahren zu einer Normierung des sakralen Großbaus in Frankreich. Nach dem Ende der Innovationszeit wurden nur noch die Mittel verfeinert. Die zunächst noch wie in St. Denis aus vier Lanzetten und drei Kreisen zusammengesetzten Maßwerke wurden in der Folgezeit immer komplizierter, indem die Zahl der Einheiten vervielfacht wurde und im Couronnement verschiedene Kompositionen aus Passformen sowie sphärischen Drei- und Vierecken eingeführt wurden. Trotz dieser reichen Maßwerkgestaltung wirken die folgenden Kathedralen der Spätgotik durch in ihre Orientierung an den hochgotischen Kathedralen des 13. Jh. steril.
Spätgotik
Der Flamboyant-Stil (frz. = flammend) nahm seinen Ausgang in der Architektur des französischen Hofes um 1380 und erfuhr seine endgültige Ausprägung am Ende des 100jährigen Krieges (1453), der einen Aufschwung in der Bautätigkeit ganz Frankreichs zufolge hatte. Der dekorative Schwerpunkt lag auf den Gewölben, deren Rippen ein Netzwerk aus komplizierten Mustern bildeten. Das Maßwerk wurde aus züngelnd-flackernden Fischblasen-Ornamenten gebildet. Am Beginn dieses Stils stehen die beiden Johanniskapellen in der Kathedrale von Amiens (1366-1373) mit Fischblasenmaßwerk, aufgeblendeten Zierformen mit Kielbogenleisten, Fischblasenrändern und Sternfigurengewölbe.
Die Kathedrale St. Pierre in Nantes wurde 1434 begonnen. 1498 stockte der Bau und wurde erst im 17. und 19. Jahrhundert im gotischen Stil fertiggestellt. Die tragenden Architekturglieder laufen ohne jede horizontale Trennung in Form von Kapitellen oder Gesimsen in Bögen und Gewölben weiter. Die Pfeiler, Arkadenlaibungen und Gewölbevorlagen verschmelzen gemäß gotischer Gestaltungsprinzipien zu einer einheitlichen Masse. Durch Konzipierung von Gewölbe und Vorlagen als ein Gerüst sind die Joche im Sinne der Gotik des 13. Jahrhunderts deutlich voneinander getrennt.
Viele Kirchen wurden erst in der Spätgotik vollendet. Dadurch wurden auch viele Hauptfassaden in der Spätgotik erbaut. Eine der frühesten Fassaden der Spätgotik ist die Kathedrale von Tours, die von 1440 bis 1537 gestaltet wurde und sich bei der Dekoration die Kathedralen von Reims und Amiens zum Vorbild genommen hatte. Die Gestaltung von Wimpergen, Fensterrose und Figurennischen in den Strebepfeilern scheint wie in die Formensprache des Flamboyant übersetzt. Dagegen weisen die Türme mit ihren Freigeschossen und Kuppelbekrönungen auf die Formen der Renaissance hin, die sich ab dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts mehr und mehr durchsetzten.
Eines der bedeutendsten skulpturalen Werke am Übergang zur Renaissance, sind die Skulpturen von Claus Sluter am Portal der Kartause von Champmol bei Dijon (um 1385). Am Portal ist die Muttergottes in Kontrapost und naturnaher Haltung dargestellt. An den Gewänden wurden das Stifterpaar, der Herzog und die Herzogin von Burgund, in Begleitung ihrer Namenspatrone in Lebensgröße abgebildet. Das Stifterpaar ist mit porträthaften Zügen ausgestattet und die Form ihrer herrschaftlichen Selbstdarstellung für ihre Zeit ein Novum.
Wie schon bei der Kathedrale von Nantes angeklungen, lebte die gotische Bauweise bis ins 16., 17. und teilweise 18. Jahrhundert fort. Als weiteres Beispiel kann man die Kathedrale von Orleans (begonnen 1287) sehen, die 1568 von den Hugenotten beschädigt und wiederaufgebaut wurde und einen frühen, herausragenden Fall historistischer Architektur mit hochgotischem Formengut darstellt.
Copyright (C) 2004-2010 by Alicia Ysabel Spengler, Köln
RSS Feed)